Im Gespräch mit Jürgen Franzky

Jürgen Franzky macht seit 35 Jahren Schmuck in Bonn, aktuell in seiner Werkstatt am Belderberg. Was treibt ihn an, wie arbeitet er und was bedeutet das für ihn? All das weiß natürlich er am besten. Also haben wir ihn gefragt.

Das erste Mal ist ja immer etwas ganz Besonderes. Wie war das denn mit Deinem ersten Schmuck?

Ich war vielleicht 15 Jahre alt, da habe ich mich an die Werkbank meiner Mutter gesetzt und zugeschaut, wie sie Schmuck macht. Da habe ich Feuer gefangen.

Was hat dich denn da so fasziniert?

Ich hatte immer einen Hang zum Basteln, mich hat fasziniert, dass das Metall ist, dass ich die Möglichkeit hatte, frei aus meiner Phantasie zu formen — und dass mir das auch gelang. Das ist bis zum heutigen Tag so, ich habe keine Probleme etwas zu formen, das ich mir vorstelle.

Und du hast ganz offensichtlich bis heute nicht damit aufgehört…

Ja, mit 20 habe ich meine Mutter in den Schmuckkursen an der VHS vertreten. Nach dem Abitur habe ich dann in einer Apotheke gelernt, später Geologie und Mineralogie studiert. Aber ich hatte immer eine Werkbank in meinem Zimmer stehen und mir damit etwas dazuverdient. Schmuck habe ich immer gemacht.

Was hat sich seither verändert?

Am Stil hat sich eigentlich nichts geändert — Leute, die meinen Schmuck vor 30 Jahren kannten, erkennen auch die Sachen sofort wieder, die ich heute mache. Die Vielfalt der Teile, die ich in meine Arbeiten einbaue, hat sich aber sicherlich erhöht.

Wie wurde denn aus der Werkbank im Studentenzimmer ein Geschäft?

Als ich mit 30 noch keinen richtigen Weg zum Geldverdienen vor Augen hatte, habe ich gesagt „In 5 Jahren muss ich wissen, wie es weitergeht.“ Und mit 35 habe ich meinen ersten Laden aufgemacht.

Warum hat das funktioniert?

Schmuck haben viele gemacht. Aber meine Sachen sind anders — durch die Gestaltung, aber auch durch die Technik. Schmuck sollte für mich immer anders aussehen, nicht „schmuckig“, sondern künstlerisch. Ich schaffe kleine Objekte und sehe mich nicht nur als Handwerker, sondern auch als Künstler.

Wie arbeitest du?

Man muss Ruhe und Geduld mitbringen. Natürlich auch eine Idee — und die Ideen fallen bei mir nur so aus dem Kopf heraus. Dann bin ich wie ein Mönch in einer kleinen, zugemauerten Zelle. Wenn ich Schmuck mache, bin ich in mir selbst total versunken.

Jürgen Franzky, 2014
Jürgen Franzky, 2014

Und wie wird die Idee dann zum Schmuck?

Das Wesentliche ist, dass ich zwar die Form vorgebe, aber sie im Schmelzprozess überarbeite, so dass sie eine gewachsene Struktur erhält. Die Behandlung im Feuer bringt ja zu einem gewissen Grad eine ungewollte Modellierung hinein.

Man kann das mit dem vergleichen, was sich in der Erde formt: Da sacken Sedimente ab, dann wirken tektonische Kräfte, so dass aus der ursprünglichen Masse etwas Neues entsteht. Trotzdem kann man anhand einiger Partikel noch nachvollziehen, was geschehen ist.

Die Technik hinterlässt also mehr als nur Spuren…

Ja, dieses scheinbar Unkorrekte, im Feuer veränderte, Angeschmolzene mit seinen Abstufungen und Unebenheiten birgt ja einen gewissen Reiz. Denn der liegt ja nicht in der Perfektion, sondern in der Attraktivität.

Womit arbeitest du besonders gern?

Ich arbeite sehr gern mit Silber, weil Silber sehr gut formbar ist. Und man kann es anschließend schwärzen, wodurch das plastische Aussehen stärker zum Ausdruck kommt.

Und was für Stücke fertigst du am liebsten?

Was ich immer gern mache, sind Broschen, Objekte, Platten, weil man da einfach mehr Platz hat als auf Ringen oder Anhängern. Bei Broschen kann ich mich richtig austoben, so dass das Ergebnis eigentlich ein Objekt ist, das zur Brosche umfunktioniert wird. Man kann das dann in einem Rahmen aufhängen — und bei Gelegenheit aus dem Rahmen herausnehmen und tragen.

Welche Künstler interessieren dich besonders?

Die ganz alten Künstler, Relikte aus der ganzen Welt, egal ob von Römern, Germanen oder den Inkas. Diese einfache und reduzierte Darstellungsform ist etwas, das mich sehr anspricht, genau wie die Muster und Ornamente der arabischen Welt.

Was macht einen „echten Franzky“ aus?

Der Stil. Unverkennbar trotz aller Entwicklungen und Veränderungen, die sich ergeben haben, auch nach 30 Jahren noch erkennbar.

Was magst du besonders an deinem Beruf?

Dass ich Schmuck machen kann. Und bei mir kommen die Leute freudig in den Laden und gehen freudig wieder hinaus.

— Aufgezeichnet von Christian Haug im Juni 2018.